Hallo zusammen,
wir sind gerade mitten in der ersten größeren Sanierung unseres Hauses (Baujahr 1990) und ich stehe vor einer Frage, bei der ich echt nicht weiterkomme. Wir wollen eine Wallbox für unser E-Auto nachrüsten – klingt erstmal simpel, aber je mehr ich mich informiere, desto mehr Fragezeichen tauchen auf.
Unser Haus hat noch die originale Elektroinstallation von 1990. Ich habe mir sagen lassen, dass man für eine Wallbox (wir denken an 11 kW) einen eigenen Stromkreis direkt vom Zähler bzw. Unterverteiler braucht. Die Garage ist ca. 15 Meter vom Haus entfernt, freistehend. Reicht da ein normales Erdkabel? Welchen Querschnitt? Und braucht man da zwingend einen Elektriker, oder darf man zumindest die Vorinstallation (Graben, Leerrohr etc.) selbst machen?
Außerdem: Macht es bei dieser Gelegenheit Sinn, die gesamte Unterverteilung prüfen zu lassen, wenn eh ein Elektriker kommt? Ich könnte mir vorstellen, dass da nach über 30 Jahren einiges nicht mehr dem Stand der Technik entspricht.
Was ich auch noch nicht ganz verstehe: Muss die Wallbox beim Netzbetreiber angemeldet werden? Ich lese überall was anderes dazu.
Falls hier jemand das schon gemacht hat – besonders in einem ähnlich alten Haus – wäre ich für konkrete Erfahrungen sehr dankbar. Ich will das Projekt nicht blind angehen und hinterher doppelt zahlen.
Viele Grüße,
Sandra
Hallo Sandra,
zur Wallbox-Förderung kurz vorab: Über die KfW gibt es für Wallboxen in Verbindung mit PV und Speicher noch Möglichkeiten (Programm 442), das solltest du dir unbedingt anschauen bevor du den Auftrag vergibst. Manche Bundesländer legen noch was drauf. Ich hatte damals selbst mehrere Töpfe kombiniert – das spart erheblich, wenn man die Reihenfolge richtig macht. Ich hab dazu auch mal im Thread Sommerprojekte planen ohne sich zu übernehmen was geschrieben – Förderanträge immer VOR Auftragserteilung stellen, das ist der häufigste Fehler.
Zur Anmeldepflicht: Wallboxen bis 12 kW müssen beim Netzbetreiber angemeldet werden (§ 19 NAV), das ist seit 2021 Pflicht. Genehmigen müssen die in der Regel aber nicht aktiv – die haben 3 Monate Zeit zu widersprechen. Trotzdem: Nicht drauf vergessen, das ist kein Kann sondern ein Muss.
Ich hab mich da auch intensiv eingelesen bevor ich bei mir die Infrastruktur vorbereitet hab. Karsten B. hat das schon gut zusammengefasst mit dem Kabelquerschnitt.
Ein Punkt den ich noch ergänzen würde: Überleg dir von Anfang an ob du irgendwann PV aufs Dach willst. Wenn ja, lohnt es sich, das Leerrohr vom Dach bzw. Technikraum gleich mit zur Garage mitzuführen, oder zumindest die Wege so zu planen dass man später einfach erweitern kann. Ich hab das bei mir leider nicht konsequent gemacht und musste hinterher nochmal aufgraben. Ärgerlich.
Bei meinem Dach-Thread ging es zwar um was anderes aber die Grundfrage – was lege ich gleich mit an – ist bei Sanierunsprojekten immer die gleiche.
Bei mir ist das Haus Anfang der 80er gebaut, also ähnlich alt wie deins. Ich versteh deine Fragen gut, ich stehe vor denselben Sachen. Mein Elektriker hat mir gesagt ich soll auf keinen Fall bei der Unterverteilung sparen wenn schon alles offen ist. Hab ich dann auch nicht gemacht und war im Nachhinein richtig so, weil bei mir im Keller eine Leitung war die er als "nicht mehr zeitgemäß" bezeichnet hat. Was das genau bedeutet hat er dann erklärt aber ich hab vieles nicht verstanden ehrlich gesagt.
Jedenfalls – lass alles gleichzeitig machen wenn der Elektriker eh kommt. Das ist mein einziger Rat. Einmal ist einmal.
Elektromeister hier – kurze klare Antworten auf deine Fragen:
11-kW-Wallbox braucht einen eigenen Stromkreis, 3-phasig, mindestens 2,5mm² Querschnitt für die Zuleitung, bei 15m Leitungsweg würde ich aber 4mm² nehmen wegen des Spannungsabfalls. Als Erdkabel kommt NYY-J 5x4 in Frage.
Die eigentliche Elektroarbeit – Anschluss am Verteiler, Verlegung der Leitung, Anschluss der Wallbox – darf ausschließlich ein zugelassener Elektrobetrieb ausführen. Punkt. Den Graben kannst du selbst machen wie Sandra K. schon sagt, das stimmt.
Zur Unterverteilung: Bei einem Haus von 1990 schau ich mir das immer an wenn ich schon da bin. In dem Baujahr findet man häufig noch Schmelzsicherungen oder Automaten ohne FI-Schutz auf relevanten Stromkreisen. Ist nicht zwingend gefährlich aber entspricht nicht mehr dem aktuellen Stand und fällt bei einem Verkauf oder einer Versicherungsleistung schnell unangenehm auf.
Anmeldepflicht beim Netzbetreiber: Ja, Pflicht. Einfach das Formular des lokalen Netzbetreibers ausfüllen – die meisten haben das online. Dein Elektriker macht das in der Regel mit.