Liebe Forumsgemeinde,
ich bin gerade dabei, die Dachschrägen in meinem Altbau (1924, Bayern) zu sanieren und bin bei der Planung auf ein Problem gestoßen. Mein Handwerker spricht von einer Dampfbremse, aber überall lese ich, dass man die "richtig" anbringen muss, sonst entsteht Feuchte und Schimmel.
Das Dach war bislang ungedämmt. Jetzt möchte ich zwischen die Sparren (ca. 14cm) eine Holzfaserdämmung einbringen und dann eine Beplankung. Mein Fachmann meint, eine sd-Wert-Bremse auf der warmen Seite sei hier notwendig. Aber mich verwirrt, dass manche sagen, der Altbau "atmet" und man dürfe nicht abdichten.
Wie handhabe ich das richtig? Brauche ich überhaupt eine Bremse wenn die Dachziegel und das Holzwerk darunter schon Jahrzehnte ohne solche Systeme funktioniert haben? Oder setze ich damit meinem wertvollen alten Haus zu?
Wäre dankbar für praktische Erfahrungen von anderen Altbau-Besitzern!
Hans-Peter, ich kenne dieses Dilemma sehr gut! Bevor ich mich bei mir für die Details entschieden habe, habe ich mit meinem Restaurator lange diskutiert. Bei einem Fachwerkbau aus 1782 braucht man wirklich Fingerspitzengefühl – es geht nicht nur um technische Zahlen, sondern um die Gesamtlogik des Hauses.
Was ich gelernt habe: Altbauten sind tatsächlich "atmend" konstruiert. Ein dichtes System kann hier zu Problemen führen. Mein Tipp: Nutze eine Bremse mit hohem sd-Wert auf der Innenseite (mind. 10), aber achte darauf, dass die Übergänge sorgfältig geklebt sind – es geht um Diffusionsoffenheit statt Dichtheit. Das erlaubt dem Dach, langsam auszutrocknen, stoppt aber die schnelle Wasserdampfdiffusion im Winter.
Bei Holzfaserdämmung bist du ohnehin gut unterwegs – die ist diffusionsoffen und arbeitet perfekt mit altem Mauerwerk.
Lass dich nicht verunsichern. Dein Handwerker klingt sachkundig.
Ja, bei Altbauten ist das wirklich knifflig. Kurz: Bremse ja, Sperre nein.
Sandra hier – wir sind aktuell ja auch in so einer Entscheidungsphase mit unserem geerbten Haus! Bei uns im Dachbereich hat sich der Fachmann für eine sd-Wert von etwa 5 entschieden, also eher eine Bremsfolie als eine echte Sperre. Das Prinzip ist, dass Feuchte von außen eindringend geschützt wird, aber die Konstruktion trotzdem "weicher" bleibt.
Wenn du mit deinem Fachmann sprichst, frag konkret nach dem sd-Wert der geplanten Bahn. Das ist das Maß, das zählt. Und versichert euch, dass beim Einbau winddicht geklebt wird – die Verarbeitungsqualität ist mindestens so wichtig wie das Material selbst.
Bei Holzfaser machst du nichts falsch, das ist ja eigentlich die natürlichste Lösung für so einen alten Dachaufbau.