Hallo zusammen,
ich hoffe ihr könnt mir hier weiterhelfen, ich steh gerade etwas auf dem Schlauch. Ich habe seit ca. 8 Jahren eine Berufsunfähigkeitsversicherung laufen, monatlich zahle ich dafür knapp 89 Euro. Jetzt habe ich zum September eine Stelle im öffentlichen Dienst bekommen – konkret als Beamtin auf Probe bei einer Landesbehörde.
Mein erster Impuls war: Super, als Beamtin bin ich ja über die Dienstunfähigkeitsregelungen des Staates abgesichert, also kann ich die teure BU kündigen und spare fast 1.100 Euro im Jahr. Aber dann hab ich ein paar Sachen gelesen, die mich wieder verunsichert haben. Zum einen soll der staatliche Schutz als Beamtin auf Probe angeblich deutlich schlechter sein als nach der Verbeamtung auf Lebenszeit. Und zum anderen hab ich gelesen, dass BU und Dienstunfähigkeit nicht dasselbe sind – dass also jemand dienstunfähig sein kann ohne dass die BV zahlt, oder umgekehrt.
Ich rechne gerade sowieso viel durch, weil ich im Herbst noch ein paar Renovierungen angehen möchte und den Sommer nutzen will um Finanzen zu ordnen. Da will ich nicht leichtfertig eine Versicherung kündigen, die ich vielleicht doch noch brauche.
Hat hier jemand Erfahrung damit? Bin ich als Beamtin ausreichend abgesichert oder macht es Sinn, die BV zumindest in abgespeckter Form weiterzuführen? Gibt es sowas wie eine Umwandlung in eine günstigere Variante?
Danke schon mal!
Ich lese hier oft mit und wollte mal kurz einhaken: Hat deine BV eine sogenannte Dienstunfähigkeitsklausel? Manche neueren Verträge haben die eingebaut, sodass die Versicherung auch bei Dienstunfähigkeit zahlt. Das wäre natürlich ein Argument sie zu behalten. Schau mal in deine Vertragsunterlagen, das steht dort meist explizit drin.
Ich seh das ein bisschen anders als die Vorredner – nicht grundsätzlich, aber ich finde man sollte auch mal die Kosten-Nutzen-Seite ehrlich betrachten. 89 Euro im Monat sind fast 1.100 Euro im Jahr, und als Beamtin hast du tatsächlich eine staatliche Absicherung, die viele Angestellte nicht haben. Die Frage ist, ob der zusätzliche Schutz durch die private BV diesen Betrag dauerhaft wert ist – besonders wenn du irgendwann auf Lebenszeit verbeamtet bist.
Ich würde trotzdem empfehlen: Kündige nichts, solange du noch auf Probe bist. Aber lass dir nach der festen Verbeamtung wirklich von jemandem Unabhängigen ausrechnen, was die staatliche Versorgung konkret abdeckt und was nicht. Dann kannst du eine fundierte Entscheidung treffen statt aus dem Bauch heraus. Einen Versicherungsberater, der auf Honorarbasis arbeitet, findest du über den Verband der unabhängigen Finanzdienstleistungsberufe oder ähnliche Stellen – die haben kein Interesse daran, dir etwas zu verkaufen.
Und ja: Haushalt und Finanzen im Sommer durchzuchecken ist eigentlich ne gute Idee, solange man nicht im Urlaub steckt 😄
Das ist tatsächlich eine Frage, bei der viele einen Fehler machen – nämlich vorschnell kündigen. Der entscheidende Punkt ist: Dienstunfähigkeit und Berufsunfähigkeit sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Deine BV zahlt, wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr ausüben kannst. Die Dienstunfähigkeitsregelung des Beamtenrechts funktioniert anders – da geht es darum, ob du im Staatsdienst verwendbar bist. Im Zweifelsfall kann man dich auf einen anderen Posten versetzen, und dann greift keine der beiden Regelungen richtig.
Noch wichtiger: Als Beamtin auf Probe bist du die ersten Jahre deutlich schlechter abgesichert als später. Wenn du in der Probezeit dienstunfähig wirst, kann die Entlassung drohen ohne nennenswerte Versorgung. Also bitte auf keinen Fall jetzt sofort kündigen. Lass dir das von einem unabhängigen Versicherungsberater (nicht Vermittler!) durchrechnen. Manchmal lässt sich die BV auch beitragsmäßig anpassen oder die Laufzeit verkürzen, ohne sie ganz aufzugeben.
Wie ManfredTrunk schon schreibt, ist der Unterschied zwischen Dienst- und Berufsunfähigkeit wirklich entscheidend. Ich möchte das noch etwas ergänzen:
Ein weiterer Aspekt, der oft vergessen wird: Wenn du deine BV jetzt kündigst und später wieder eine abschließen möchtest – zum Beispiel weil sich deine Lebenssituation ändert – musst du eine neue Gesundheitsprüfung machen. Und die kann teuer werden oder sogar zur Ablehnung führen, wenn in der Zwischenzeit gesundheitliche Einschränkungen aufgetreten sind.
Deine jetzige Versicherung hast du mit 8 Jahren Laufzeit vermutlich zu relativ günstigen Konditionen abgeschlossen. Das ist ein Vorteil, den du nicht leichtfertig aufgeben solltest.
Eine Möglichkeit wäre eine sogenannte Beitragsfreistellung – also die Beiträge pausieren, aber den Vertrag aktiv halten. Manche Versicherer erlauben das. Ob das bei dir geht, steht in den Versicherungsbedingungen oder der Versicherer sagt es dir direkt.
Kurz: Kündigung wäre ich sehr vorsichtig damit, gerade jetzt in der Probezeit.